Sonderfall Mensch. Anthropologie zwischen Philosophie und Psychoanalyse

Ein Symposium der Wiener psychoanalytischen Akademie und der Neuen Wiener Gruppe/Lacan-Schule

8. – 9. November 2019, Wiener Psychoanalytische Akademie, Salzgries 16, 1010 Wien

Konzept und Organisation: August Ruhs, Walter Seitter, Elisabeth Skale

 

Zum Thema

Wenn auch seit dem aristotelischen Denken die Verwandtschaft der Menschen mit den Tieren zu einem gängigen Topos geworden ist und damit einen Gegenakzent zur Behauptung der menschlichen Gottesebenbildlichkeit geschaffen hat, so ist nicht daran zu zweifeln, dass unter allen Lebewesen dem Menschen eine Sonderstellung einzuräumen ist. Von Seiten der neueren Philosophie hat sich insbesondere die Philosophische Anthropologie mit ihren Begründern Max Scheler, Helmuth Plessner und Arnold Gehlen dieser Thematik angenommen. Im Vergleich der Sozialformen von Gesellschaft und Gemeinschaft hat insbesondere Helmuth Plessner die „geschlossene Positionalität“ der Tiere gegenüber der Umwelt hervorgehoben, welche für den Menschen von Anfang an als gebrochen zu erachten ist.

Andererseits und weitgehend gleichläufig dazu betont auch die Psychoanalyse den Sonderfall Mensch und begründet dessen Exzentrizität mit der einzigartigen Entfaltung sozialer Beziehungen, welche auf seinen besonderen Fähigkeiten zu mentaler bzw. sprachlicher Kommunikation beruhen. Der damit in Zusammenhang stehende Mangel an Instinkten und deren Ersatz durch eine von Plastizität, Flexibilität und Historizität gekennzeichnete Triebhaftigkeit werden ebenso wie in der Philosophischen Anthropologie auf eine den Menschen betreffende Evolutionshemmung und auf eine verfrühte Geburt des Menschenkindes zurückgeführt.

Aktuelle Schlagworte wie etwa jenes des „Posthumanismus“ vermitteln nicht so sehr den Eindruck, dass die Sonderstellung des Menschen in Frage zu stellen sei, sondern verweisen vielmehr auf die negativen und destruktiven physischen Effekte, die sich aus der Existenz der Spezies Mensch mit seiner zum Teil anmaßenden Selbstbehauptung unter der geochronologischen Epoche eines Anthropozäns ergeben.

Ist es möglich, dass ein „transhumanistisches Denken“ den auch von einem schlechten Gewissen getragenen Widerspruch zwischen progressiven und regressiven Tendenzen humaner Existenz erträglicher macht, ohne dass auf eine radikale Überwindung des Menschlichen hinzuarbeiten ist?

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